Heida Birgisdottir gründete die Skate- & Snowboard Marke Nikita 2001 im Isländischen Rykjavik mit der Intention, eine reines Girls Marke zu etablieren - denn bis dahin beschränkten sich die Teile der Damenkollektionen aus einigen wenigen Teilen wie T-Shirts oder Tank Tops. Nikita hat in der von Herren dominierten Snowboardszene viel Bewusstseinssarbeit geleistet und dazu beigetragen, so dass es seit ein paar Jahren eine sehr ernstzunehmende und ambitionierte feminine Snowboardszene gibt.

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In einem Interview mit dem Pool Mag und Helmut Wolf hat Heida viele interessante Auskünfte zu Nikita gegeben:

liebe heida, snow- und skateboarden sind ja nach wie vor hauptsächlich maskuline sportarten. wo liegen eigentlich die großen schwierigkeiten in diesen männerdomänen eine mädchenmarke zu etablieren?
eine der großen schwierigkeiten ist sicherlich, dass viele leute die in snow/skate/surf-shops arbeiten jungs sind und – glaub es oder nicht – denken, girls-fashion sollte nicht in diese läden. sie fühlen sich besser mit jungs über coole (burschen-)marken zu plaudern, als mit mädchen. auf der anderen seite haben wir die erfahrung gemacht, wenn diese jungs dann girls-produkte sehen und spüren, dass mädchen die boarden, genauso cool und lustig drauf sind, ändern sie schnell ihre meinung. außerdem wird die gesamtaussage eines geschäfts durch den girls-spirit in vielerlei hinsicht aufgewertet. generell würde ich aber sagen, dass es nicht mehr arbeit ist eine mädchenmarke am board-markt zu etablieren. speziell im fall von nikita ist es so, dass alle designs von mädchen für mädchen gemacht werden und wir da immer richtig liegen.

wo liegen die wichtigsten aspekte für eine weibliche snowboardmarke, um bei den girls gut anzukommen? vor allem bei den schnittformen als auch der hartware gibt’s ja unterschiede zu den maskulinen produkten.

naja, ich glaube, es müssen die selben aspekte eingehalten werden, wie bei den jungs. also eine optimale mischung aus gutem aussehen und funktion. es gibt keinen einheitlichen typus von board-bekleidung für jungs und auch keinen für mädels. manche girls wollen einen pinkfarbenen overall, andere ein silbernes snowboard mit einem rosafarbenen herz drauf, andere mögen halt unsere sachen ...

was sagst du snowboarderinnen, die von den jungs auf die schaufel genommen werden?
ärgern hilft da gar nichts. jene jungs, die mädchen gerne ärgern, wollen diese zumeist nur anbaggern und sind verzweifelt, dass das so nie funktionieren kann. entweder sind sie zu ungeschickt mit ihren sprüchen oder einfach nur zu dumm. das nächste mal wenn du sie triffst, sind sie betrunken und wollen dir erklären, was sie eigentlich wirklich zuerst sagen wollten. dann ist es am besten man sagt: ‚sorry alter, aber du bist zu betrunken, und es interessiert mich nicht was du mir da erzählst‘. wenn du sie das dritte mal triffst, ist alles ganz normal.

eines der großen probleme für „riderinnen“ ist vor allem, dass snowboard-shops fast gänzlich auf jungs abgstimmt sind. das sind zumeist „rauhe“ laden-portale, cool-abgefuckte dekos und ein entsprechendes sortiment. was wäre dein wunsch, die geschäfte in zukunft frauen-freundlicher zu gestalten?

wenn genügend mädchen nach dem speziellen girls-sortiment im snowboard-laden fragen, werden die besitzer bald darauf aufmerksam und müssten sich darauf einstellen. ich verstehe natürlich schon, dass einige core-shops keine rosafarbenen produkte in ihren läden haben wollen und ihr image dadurch vielleicht verwässern. aber das sollte nicht bedeuten, überhaupt keine mädchenbekleidung zu führen. es gibt ja auch skate-lastige girls-styles. übrigens: zu einem unserer ersten kunden zählten conni und adi rauscher aus innsbruck. damals waren wir wirklich noch total unorganisiert. conni rauscher führt ja den wirklich netten special-shop für girls „sweet dream“. wir respektieren solche leute, die ihrem feeling folgen und sich sagen: „go for it.“

zu dir als person, heida: du gehst ja einen sehr personalisierten (marketing-)weg. du bist besitzerin, designerin, enthusiastische snowboarderin und aushängeschild der marke. in der männlichen skate- und snowboard-szene ist der authentische background einer marke sehr wichtig. ist das bei den frauen genauso?

ich denke schon. ich meine bei nikita steht eben wirklich eine frau dahinter, die selber leidenschaftlich am skaten, surfen und snowboarden ist, und das macht die marke natürlich total authentisch. für viele frauen macht es eben einen großen unterschied aus, wenn die produkte einer marke nicht von einem 50 jahre alten designer gemacht wurden. umgekehrt ist das natürlich auch für jungs wichtig, dass ihr snowboard nicht von einer 50 jahre alten dame designed wird.

wie groß ist eigentlich die skate- und snowboard-szene in island?
die snowboard-szene hier ist wirklich groß. wir organisieren immer wieder große wochenend-touren mit bis zu 150 snowboarderinnen zu verschiedenen locations auf der insel. im rahmen unseres shops gibt’s auch immer wieder contests in reykjavik oder außerhalb der stadt. generell splittet sich hierzulande die szene in jene leute, die schon lange zusammen snowboarden und vielen kleineren gruppen. die skaterszene ist eher klein und lokal organisiert. es gibt leider keinen skatepark in reykjavik - „and that sucks“. und dann sind wir noch überschaubare 15 surfer in island. die strände hier sind menschenleer und wirklich sehr angenehm.

deine liebsten snowboard-spots in europa?

ich liebe chamonix zum freeriden. verbier und ischgl sind auch toll, weil du dort über mehrere tage abseits der präparierten pisten powdern kannst. folgefonna und stryn haben coole sommer-camps. hintertux ist auch o.k., wobei dort ist es oft sehr nebelig. gute plätze sind auch tignes und val d’isere, hier kommt´s auf die schneelage an und mit wem du unterwegs bist.

Quelle: Pool-Mag
 
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